Moin! Leanders Reise durch die USA

Ein Nordlicht unterwegs im New York State

#009 – Das doppelte Leanderchen

Moin zusammen,

neue Woche, neues Glück! Nachdem Bob und ich wieder am Fahrrad rumgewerkelt und den Schlauch ausgetauscht haben, kann ich wieder ordentlich in die Pedale treten. Noch muss ich ja ohne ein eigenes Auto auskommen, wobei hier die Betonung definitiv auf dem „noch“ liegt.

Gestern ein Blue Devil, heute ein Greif!

Die Woche geht zunächst ganz ruhig los, da am Montag in den USA der Labor Day gefeiert wird, den man wohl am ehesten mit unserem Feiertag zum 1. Mai vergleichen kann. Mit der Familie fahre ich hoch nach Buffalo, wo wir Ian am Canisius College besuchen. Die Fahrt über lese ich haufenweise Unterlagen für meine Kurse, daran muss ich mich dann in nächster Zeit wohl gewöhnen. Das College von Ian hat unter anderem einen Zweig, an dem die jungen Leute an die Army herangebracht werden. Um 04:30 Uhr müssen alle für die ersten Kurse bereit sein, Disziplin wird groß geschrieben. Den Sommer über war ich zu der Zeit auch schon immer wach, allerdings auch nur, weil ich zur Frühschicht bei Mercedes musste. Ansonsten kann ich auf die Zeit erstmal gerne verzichten. Am Abend des Labor Days sind wir zu einem gemütlichen BBQ bei Freunden von Janice und Bob eingeladen. Das Wetter spielt mit und das Essen schmeckt, so kann ein Feiertag gerne enden.

Amerikanisches BBQ, nur echt mit den roten Bechern!

Gleich in den ersten Tagen nach dem Labor Day gibt es wieder zwei erfreuliche Nachrichten für mich: Sowohl mein Learner Permit (vorzeitiger Führerschein) als auch meine Debit Card von der Bank sind mit der Post angekommen! Beide landen sofort in meinem Portemonnaie, dafür kann ich endlich meinen Reisepass beiseite legen, der für die Hosentasche dann doch eher ungeeignet war.

Das mit dem Lächeln üben wir aber nochmal. Wenigstens besser als der Führerschein von 2011..

Interessant ging es auch an der Uni direkt weiter. Nachdem ich mir noch ein weiteres Mal die Fotografie-Ausstellung angesehen habe, um meine Analyse zu den Bildern schreiben zu können (der Kunst-LK am Gymnasium lässt grüßen), nehme ich am Mittwochabend mit den anderen internationalen Studenten an der Activities Night teil. Bei dieser Veranstaltung können wir uns über die Angebote der einzelnen Clubs an der Uni erkundigen und es wäre nicht gelogen wenn ich sage, dass es davon um die 150 gibt! Egal ob man nun am A-Cappella singen, Volleyball spielen, Videospiele programmieren oder einfach nur an ehrenamtlicher Arbeit interessiert ist, an sich müsste hier für jeden etwas dabei sein.

Wenn man diesen Eisbecher schafft, ist man aber auch erstmal für einen Monat satt

Am Stand des International Club treffe ich ein paar Leute, die ich bereits bei unserer gemeinsamen Coffee Break kennengelernt habe. Alex, einer der Leiter des Clubs, nutzt die Gelegenheit und stellt mir einen anderen Studenten vor. Ich bin allerdings etwas verdutzt, sehr verwirrt sogar. Hat der Junge gerade gesagt, dass er Leander heißt? Hat er es wirklich gesagt? Gibt es den Namen im kleinen Fredonia etwa noch ein zweites Mal? Rund hundert weitere Fragen dieser Art schwirrten plötzlich in meinem Kopf herum. Wir wussten beide, dass dies ein besonderer Moment war und verstanden uns auf Anhieb. Na, wenn das mal nicht der Anfang einer guten Freundschaft wird!

Ein Teil der Activities Night, hier mit der A-Cappella-Gruppe auf der kleinen Bühne

Nach der Abgabe meines ersten Papers am Ende der Woche konnte ich es kaum erwarten, die Reifen meines Fahrrads auf die Probe zu stellen. Ich machte mich Richtung Westen auf, um mir ein Bild vom Lake Erie State Park zu machen. Der Park liegt an der Route 5, welche von Buffalo bis nach Conneaut in Ohio führt. Ein Radweg ist wie an den meisten größeren Straßen der Region nicht vorhanden, dafür bietet der Seitenstreifen genügend Platz, um mich sicher ans Ziel zu bringen. Im Park erfahre ich, dass auch hier mittlerweile die Nebensaison angebrochen ist und ich somit keinen Eintritt zahlen muss. Neben ein paar Campern und Wanderern bin ich hier mit meinem Rad erstmal gut aufgehoben.

Leander, 24, hat den Überblick

Ich mache mich auf zum Strand, an dem die Wellen in der Brise sanft auf die Felsen treffen. Hier fühle ich mich wohl, da es mich doch sehr an den Nordseewind in Bremerhaven und umzu erinnert, nur ohne die großen Museen im Hintergrund. Ein Ehepaar, von denen ich hier am Strand ein Foto gemacht habe, erzählt mir, dass sie am Eriesee und seinen Stränden auf der Suche nach Seeglas sind. Bei Seeglas handelt es sich um kleine Glasscherben, die im Wasser nach und nach immer mehr abgestumpft werden und gerade bei Sammlern wegen ihrer vielen Farben sehr beliebt sind. Kurz nachdem ich mich weiter auf die Erkundungstour entlang der Küste begebe, folgt mir der Mann und drückt mir eine kleine Scherbe in die Hand, die seine Frau soeben gefunden hat. Mit der weißen Scherbe, die an ein Fruchtgummi erinnert, als Andenken begebe ich mich wieder nach Hause.

Mit diesem Baumstumpf hätte selbst Matthias Steiner seine Probleme

Das Ende der Woche wird von einem starken Regenschauer eingeläutet. Nachdem der Himmel wieder einigermaßen klar wird, fahre ich mit Janice nach Dunkirk, um dort Postkarten für die Heimat zu kaufen. Das Lighthouse in Dunkirk macht nicht den Anschein, als wäre es mal ein Leuchtturm gewesen, sondern wirkt eher wie ein kleines Anwesen, das zufällig einen Turm hat.

Das Haus können sie gerne haben, der Leuchtturm gehört aber mit dazu

Die größte Überraschung neben dem anderen Leander hält am Ende doch noch der Laden Big Lots parat, in dem mitten im September nicht nur Deko für Halloween, sondern auch für Weihnachten gekauft werden kann. Gut, dann wünsche ich wohl Happy Halloween oder wie man es auch gerne sagt: Frohe Weihnachten!

Mit einer Krippe und einem Stall wäre die Verwirrung perfekt

Bis bald,

Euer Leander

 

 

 

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