The Land Of Unlimited Opportunities

35. CBYX/ PPP

44th Work Work Work

Neben meinem Job im Supermarkt nutze ich meine Zeit um Freunde zu treffen, den Trip im Juli zu planen, Netflix zu schauen und organisatorisches Zeug abzuarbeiten. Als ich eines abends im Bett lag und am Laptop arbeitete, kam plötzlich ein Wasserfall direkt neben mir runter. Ich bin total erschrocken – ich wollte immer schon mal durch einem Wasserfall gehen, aber so hab ich mir das nicht vorgestellt. Dass meine Zimmerdecke ein Loch hat, weiß ich, aber eigentlich hat es maximal getropft sobald es regnete, diesmal war es eindeutig mehr Wasser!

Das Kassieren bei Albertsons klappt inzwischen ziemlich gut, ich kann sicherlich auch über die Hälfte der Nummern auswendig. Zum Beispiel alle fünf Sorten Zwiebeln, die wir haben. Grundsätzlich alle häufig gekauften Arten Obst und Gemüse, und auch zumindest drei verschiedene Apfelsorten. Ich bin ziemlich schnell geworden, da ich teilweiße Checkstand 1 abdecken muss, in welchen man nur kommt, wenn man schnell ist oder seniority status hat. Ich bin mir allerdings sicher, diese Arbeit als bloße Erfahrung anzusehen und auf keinen Fall etwas in der Richtung in Deutschland zu machen. Es gibt eindeutig zu viele unfreundliche und komplizierte Kunden, welche einem den Tag nicht schöner machen. Hier in den USA ist es trotzdem in Ordnung, da die meisten Kunden nett und geduldig sind, und vor allem habe ich super liebe Kollegen, mit welchen selbst acht Stunden Kassieren an einem stressigen Sonntag Spaß macht.

Manchmal arbeite ich bis Mitternacht, das ist recht angenehm, da zu späteren Zeiten weniger Kunden einkaufen. Sobald das der Fall ist, wird eine Klingel an die einzige offene Kasse gestellt, und zwischen den vereinzelten auscheckenden Kunden helfe ich beim Auffüllen der Regale, was mal eine gute Abwechslung ist. Allerdings ist es auch etwas seltsam, um acht Uhr abends Mittagspause zu haben, und dann nochmal vier Stunden zu arbeiten.

Inzwischen verstehe ich auch die ganze Hierarchie im Supermarkt, unter dem Store Director gibt es drei Manager, welchen allen anderen Mitarbeitern übergeordnet sind. Diese machen die Schichtpläne, arbeiten im Human Resource, führen Bestellungen aus, helfen Kunden in der Serviceboot mit komplizierten Anliegen usw.. Sie helfen jedoch regelmäßig an der Kasse, meistens sogar mehrere Stunden täglich, doch selbst der Store Director kassiert ab und an, wenn viel los ist.

Darunter kommen die Manager der einzelnen Abteilungen, wir Cashiers haben zwei, da wir die mit Abstand größte Abteilung sind, und es gibt jeweils einen für General Merchandise (LKW abladen, Lager halten, Bestellungen ausführen und Regale auffüllen), Produce (Obst und Gemüse), Bakery (Bäcker), Deli (fertige Mittagessen) und Floral (Blumen). Dann kommen die übrigen Mitarbeiter, hier weiß ich die Anzahl nur bei den Checkern, wir sind acht Personen (vier in Teilzeit – ich arbeite inzwischen Vollzeit), ausserdem haben wir noch sechs Courtesy Clerks. Diese helfen uns teilweise beim einpacken, sammeln die Einkaufswägen ein (welche man hier einfach neben seinem Auto auf dem Parkplatz stehen lassen kann), und halten den Supermarkt sauber.

Meine Checker-Kollegen Rafiq und Judy, beide könnten längst in Rente sein. Doch da es in den USA kein Rentensystem wie das in Deutschland gibt, und die Kosten für die Krankenversicherung enorm sind, oder die Kinder nach wie vor studieren (was hier sehr teuer ist), arbeiten viele  deutlich länger als sie müssten/ sollten.

Tommy von Produce, er hat ein Masters-Degree im Bereich Computer Science/ Kommunikationsmanagement. Doch hier in den USA ist es recht hart, in dem Bereich, in dem man studiert hat, einen Job zu finden, da fast jeder studiert.

Brian, der Manager von General Merchandise, er ist super witzig und lieb, einer meiner liebsten Kollegen. Eigentlich rennt er immer, er arbeitet für zwei, und ist hundertprozentig unterbezahlt. Manchmal muss er komplette LKW-Lieferung alleine abladen, „auseinander-brechen“, dann die einzelnen Produkte in die richtigen Gänge zuordnen, alles öffnen und die Lebensmittel in die Regale einsortieren, und das alles in ein paar Stunden.

An dem Tag, an dem dieses Bild entstanden ist, ist das Kühlsystem einer der Gefrierschränke ausgefallen und so musste er das komplette Eis umsortieren.

Diese Meldung auf dem checker-screen hasse ich, da die Kunden denken, dass man langsam ist, obwohl man keine andere Wahl hat, als einige Sekunden zu warten. Aber manchmal, zum Beispiel wenn fünf Cashiers gleichzeitig arbeiten, und drei davon schnell sind, kann das System einfach nicht mithalten.

Das ist Jackie, sie arbeitet als Courtesy Clerk, sie fährt täglich fünf Stunden Bus, da die Miete einer Wohnung in direkter Umgebung von Seattle mit Ihrem Gehalt nicht bezahlbar wäre.

Alec ist mit 21 der jüngste Checker, er kam mit dem (nicht vorhandenen) Druck im College nicht klar, und arbeitet jetzt erstmal. Da es so etwas wie eine duale Ausbildung hier nicht gibt, ist es schwierig, Alternativen zum Studium zu finden.

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