Mein erster Roadtrip alleine!

Hallo Zusammen,

der Abschied von meiner Familie hat mich emotional ziemlich zurückgeworfen und mir ging es die erste Januarwoche nicht sehr gut. Da ich aufgrund meiner Collegepause und dem Beginn meiner Praktika Phase allerdings bis  28.01.2019 freie Zeit zur Verfügung hatte und nicht im Selbstmitleid versinken wollte, machte ich mich an die Planung meines ersten Roadtrips alleine. Ich setzte mir den 14.01 als Abfahrtstag und den 22.01 als Rückkehrdatum um noch etwas Zeit vor dem Praktikumsbeginn zu haben. Innerhalb weniger Tage stellte ich meine Route zusammen, traf Vorkehrungen für die ersten beiden Nächte und fuhr dann am 14.01 nach einem weitern Jobinterview los (welches zu meinem zweiten Job führte). Natürlich war ich etwas aufgeregt, dennoch voller Vorfreude. Ich versuche meine Route hier nun etwas zu beschreiben:

Binghamton – Mount Snow, Vermont:

Mein erster Tag war nur Reisetag, ich fuhr zu meiner ersten Couchsurfing Unterkunft und hatte keine Ahnung was mich dort erwarten würde. Zum Ziel waren es knapp 205 Meilen (3 Std. 35 min) und die letzte ca. 4 Meilen waren Feldweg durch einen Wald, was mich etwas beunruhigte da es bereits dunkel war. Erwartet wurde ich von Julie, einer Anfang 40 jährigen alleinerziehenden Mutter, Ihr dreijähriger Sohn war bereits im Bett. Sie hatte Abendessen für uns beide gekocht und bei Suppe und Wein konnten wir uns etwas näher kennenlernen. Zwei Nächte verbrachte ich in Ihrem Wohnzimmer auf der Couch, gemeinsam mit den zwei Haushasen (zum Glück hatte ich  Ohropax dabei). Morgens wurde ich lautstark und sehr herzlich von Ihrem süßen Sohn aufgeweckt, es war schön mal wieder von Kindern umgeben zu sein (Liebes-Shootout an meine Nachbarskinder und die Verwandtschaft back home)! Den ersten Tag verbrachte ich komplett am Mount Snow mit Skifahren, es war herrlich wieder auf der Piste zu sein 🙂 Eine Skihose habe ich mir günstig gekauft, alles andere von Freunden geliehen. Am zweiten Tag ging es nach dem gemeinsamen Frühstück für mich nach Plymonth (Vermont) zu einer zweistündigen Schneemobil Tour. Ich war die einzige Tour-Teilnehmerin zu dieser Uhrzeit, dementsprechend richtete sich mein Guide komplett nach mir und wir fetzten zwei Stunden durch die Berge Vermonts mit tollen Ausblicken auf die umliegenden Täler. Den restlichen Nachmittag fuhr ich nach Woodstock mit einigen Stopps an gefrorenen Wasserfällen.

Mount Snow, Vermont – Woodstock, New Hampshire:

Die Nacht in Woodstock verbrachte ich in einem kleinen aber feinen Hostel, leider gab es in dieser Gegend keine Couchsurfing Möglichkeiten. Die Inhaberin des Hostels (Serena), gab mir für meinen nächsten Tag den wohl besten Tipp ever. Ich wollte wandern gehen, war allerdings alleine und es wurden Temperaturen von -30 °C vorhergesagt. Sie empfiehl mir den Trail zum Lonesome Lake in den White Mountains, beides hat seinen Namen redlich verdient, es war sehr einsam und schneebedeckt. Ausgestattet mit mehreren Schichten über den ganzen Körper verteilt machte ich mich gegen 9 Uhr morgens bei -25 °C auf meinen Weg. Der Weg war nicht unendlich weit, etwa 5km einfach, die sehr hohe Schneedecke und der schlecht erkennbare Pfad machten es mir allerdings sehr schwer mein Ziel zu erreichen. Während des Aufstiegs traf ich keine Menschenseele, nur die Berge – Ich – und ein paar Tierspuren (und meinen inneren Schweinehund, ca. 3x). Oben angekommen bereitete sich ein unfassbar schöner Ausblick vor mir aus, der Lonesome Lake und auf der gegenüberliegenden Seite eine hübsche Hütte im Wald. Natürlich wollte ich zu dieser Hütte, dies bedeutete allerdings den See zu überqueren, links und rechts war relativ dichter Wald. Ich fand menschliche Fußspuren über den See, die einige Tage alt schienen dies brachte mich zum Entschluss der See sei genug gefroren um Ihn zu überqueren (jeder Klugscheißer der sich jetzt denkt „ist die blöd bei -25 °C ist der See natürlich gefroren“, es gibt auch immer wieder Quellen in Bergseen welche dazu führen das ein solches Gewässer nicht komplett zufriert und komplett lebensmüde bin ich dann auch wieder nicht). Also checkte ich ein letztes Mal den Empfang an meinem Handy und machte mich auf den Weg, die ersten 10 – 15 Meter liefen geschmeidig, dann brach ich das erste mal ein. Das Herz ist mir in die Hose gerutscht und ich hatte Angst mich zu bewegen. Nach rund einer Minute regungslosem Ausharren stellte ich fest das meine Beine, ich steckte ca. Hüfthoch fest, nicht nass waren –  nur kalt. Es war die oberste Schneeschicht die gebrochen ist, nicht das Eis! Ich robbte mich also vorwärts, checkte die Lage und weiter gings. Ich brach einige Male ein und der Werg bis zur Hütte schien unendlich aber es war eine unfassbare Erfahrung. Endlich an der Hütte angekommen gönnte ich mir eine heiße Schokolade, es war eine Selfservice Hütte und sie war komplett leer. Es gab einen Wasserkocher, ein paar Snacks, Tee etc. man nimmt sich einfach was man möchte und legt ein paar Dollar in ein Körbchen. Danach machte ich mich an den Abstieg, welcher logischerweise schnelle ging, einige Zeit bin ich einfach runtergerutscht – mal mehr mal weniger vorsätzlich. Unten angekommen durchströmte mich das wohl beste Gefühl meines Lebens, ich war so stolz auf mich selbst (nicht nur überlebt zu habe)! Unter diesen Konditionen hätte ich vor einem Jahr keinen Fuß vor die Tür gesetzt, heute liebe ich das Abenteuer mehr als je zuvor! 🙂

Danach ging die Fahrt weiter nach Portland 120 Meilen, 2.5 Std..

Woodstock, New Hampshire – Portland, Maine:

In Portland nächtigte ich wieder bei einer Couchsurfing Host, Ihr Name war Louise und sie ist 75 Jahre alt, sehr spezieller Charakter. Ich traf sie bei Ihrer Kirche wo wir gemeinsam noch an einem Abendessen der Community teilnahmen, danach fuhren wir zu einer Veranstaltung der Community  für ein besseres Gesundheitssystem in den USA. Da Louise sehr schnell kommunizierte das ich aus Deutschland komme, konnte ich dort noch einen Auftritt als „Gastredner“ zum deutschen Gesundheitssystem halten. Die Nacht verbrachte ich auf Ihrer Couch, am darauffolgenden Morgen startete ich meine Erkundungstour in Portland. Portland liegt am Atlantischen Ozean und ist bekannt für seine tollen Küsten und Leuchttürme, beides kann ich so bestätigen. Es war schön und außergewöhnlich die Küsten zum Teil von Schnee bedeckt zu sehen. Außerdem hervorzuheben ist das sehr leckere Essen dort, Lobster chowder (Hummereintopf) und Clam chowder (Muscheleintopf)  habe ich so zuvor noch nie gegessen  und gilt dort als typisches Streetfood und ist deswegen preislich auch wirklich erschwinglich.

Weiter ging die Fahrt nach Boston mit ca 110 Meilen und 1 Std. 50 Min. Fahrt.

Auf dem Weg nach Boston durchquerte ich Salem, die bekannte Hexenstadt und stoppte dort um die Stadt etwas zu erkunden. Dies ist auf ein paar Stunden gut möglich, da die Stadt nicht so groß ist. Salem ist wirklich cool, hat einen ganz einzigartigen und etwas bedrückenden Charme. Die Stadt hat einen Platz in der Geschichte wegen der unzähligen Hexenverfolgungen und Hinrichtungen im 16. Jahrhundert, die Galgen und Plätze an welchen zu dieser Zeit „Hexen“ verbrannt und getötet wurden sind immer noch erkennbar. Die Stadt lebt Ihr Wiedererkennungszeichen sehr stark aus, alles wirkt etwas unheimlich – es gibt Geschäfte für Zauberumhänge und ich habe die Winkelgasse aus Harry Potter teilweise wiedererkannt.

Portland, Maine – Boston, Massachusetts:

In Boston habe ich zwei Nächte im Hostel verbracht. Dort angekommen traf ich mich mit Thani und Alina (zwei anderen PPP´lerinnen) zum feiern, wir hatten einen schönen, lustigen gemeinsamen Abend und es war toll die beiden etwas näher kennenzulernen – beide kannte ich zuvor nicht sehr gut.

Den ersten Tag in Boston verbrachte ich mit Sightseeing, eine wirklich tolle und empfehlenswerte Stadt. Der Hafen, die Altstadt, der Freedom Trail, Chinatown, Public Market und Boston Common mit seiner großen Eislaufbahn strahlen einen guten Flair aus.

Den zweiten Tag verbrachte ich im bekannten New England Aquarium in Boston, welches mir wirklich sehr gut gefiel. An diesem Tag traf uns der härteste Schneesturm des bisherigen Winters und da dieser bereits vorhergesagt war, war ich gezwungen meine Route zu ändern.. Bosten war absolutes Chaos und ich verließ die Stadt erst am späteren Nachmittag.

Boston, Massachusetts – Providence, Rhode Island (geplant war Cape Cod):

Die Fahr nach Providence sind nur 51 Meilen, knapp eine Stunde somit auch bei schlechtem Wetter machbar, dachte ich. In Providence angelangt war das ganze dann kein Schneesturm mehr, sondern ein Blizzard mit starkem Eisregen. Es kam also wie es kommen musste und ein Autofahrer konnte aufgrund der vereisten Straßen am Stoppschild nicht anhalten und ist mir schön reingefahren. Es ist zum Glück niemanden was passiert, dennoch musste die Polizei etc. alarmiert werden und das ganze war halt einfach nervig. Dennoch habe ich die Nerven nicht verloren, meine Jaqueline (mein Auto) hat seitdem ein ordentliches blaues Auge, aber eine wahre Schönheit kann ja nichts entstellen. Auf den Schock bin ich mit Jordan (meiner Couchsurfing Gastgeberin die gemeinsam mit Ihrem Mitbewohner und Spaghetti schon auf mich gewartet hat) und Ihrem Mitbewohner erst mal was trinken gegangen und wir sind zu Fuß weiter durch die Straßen von Providence geschlittert. Wir hatten tolle Gespräche, sie war unglaublich hilfsbereit und ich hoffe sie wirklich nochmal wieder zu sehen! Meinen Aufenthalt am nächsten Tag in Providence verbrachte ich somit größtenteils auf der Polizeiwache und auf der Suche nach einer Werkstatt. Dennoch hat mir diese Stadt auf jeden Fall eine tolle Bekanntschaft beschert über welche ich dankbar bin!

Providence, Rhode Island  – Hartford, Connecticut:

Nachdem der nette Mensch von der Werkstatt meinte meine Jaqueline schafft es zurück bis nach Binghamton machte ich mich auf den Weg zu meinem nächsten Stopp. Dem 75 Meilen (1.5 Std) entfernten Hartford in Connecticut. In Connecticut übernachtete ich bei Jenny, einer sehr aufgeschlossenen Frau in den spät dreißiger. Dort wurde ich ebenfalls mit einem warmen Abendessen empfangen, wir quatschten über Ihre letzte Reise nach Hawaii, Ihrer alternativen Lebensweise und Ihrem Sohn der bei seinem Vater aufwäschst. Eine sehr interessante Frau mit einigen faszinierenden Blicken auf das Leben, ich hoffe ich konnte ein bisschen was von Ihrer positiven Lebenseinstellung mitnehmen. 

Ansonsten kann ich sagen Hartford ist wirklich keine Reise wert, das einzig sehenswerte war das State Capitol.

Hartford, Connecticut – Binghamton, New York:

Da ich ziemlich enttäuscht von Hartford war, wollte ich Connecticut noch eine Chance geben und fuhr nach New Haven, einer Stadt am Nordwestatlantiks an der Ostküste Nordamerikas. Der Umweg von knapp einer Stunde hat sich wirklich gelohnt. Dort sieht man wunderschöne, menschenleere (lag unteranderem auch an den Minustemperaturen) und kilometerlange Küstenstrände geprägt von Felsen. Atemberaubende Häuser und Anwesen und sehr gepflegte Vororte. Außerdem traf ich auf einem Küstenweg einige waghalsige Surfer die sich bei Minusgraden in die Wellen geworfen haben, diese habe ich einige Zeit beobachtet, wirklich beeindruckend!

Danach ging es mit 225 Meilen und 4 Stunden reiner Fahrtzeit zurück nach Binghamton.

Abschließend kann ich wirklich sagen, das dieser Roadtrip mich bisher am stärksten beeinflusst, bewegt und geprägt hat! Diese gesamte Strecke auf 9 Tage, komplett auf mich alleine gestellt, am morgen meistens nicht gewusst wo ich am Abend schlafen werde, offen auf vollkommen fremde Menschen zugegangen und sich gegenseitig anvertraut hat, herausfordernde Situationen gemeistert und meinen eigenen Schweinehund mehrfach überwunden habe (Comfort Zone-was ist das?) . Ja darauf bin ich schon stolz, das war mein Abenteuer und das habe ich auch nur für mich alleine gemacht 🙂

New England du bist definitiv eine Reise wert, danke für diese tolle Zeit!!

In Liebe, Anna

(Fotos folgen sobald mein Laptop nicht mehr alle 5 Minuten abstürzt)

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