Über mich und meinen bisherigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Alend Gravi, ich bin am 16.01.1996 als Sohn kurdisch-arabischer Eltern aus dem Norden Iraks in Saarbrücken, der Hauptstadt des viertgrößten Bundeslandes Deutschlands, Saarland, geboren. (Klein, aber fein!)

Am 07.08.2015 habe ich meine dreijährige Lehre als Rechtsanwaltsfachangestellter bei einer Anwaltskanzlei in Saarbrücken erfolgreich abgeschlossen. Während dieser Ausbildung ist mein großes Interesse zur Rechtswissenschaft erwachsen, aber nicht nur hierzu, auch zu anderen Feldern wie Philosophie, Ethik, Soziologie und Wirtschaftslehre. Ich hatte zu der Zeit jedoch nicht geplant, ein Jura-Studium, geschweige denn irgendein Studium aufzunehmen.

Nachdem ich meine Fachhochschulreife am 30.06.2016 erlangte, habe ich mich dazu entschlossen, das Abitur nachzuholen, um mit diesem ein Studium aufnehmen zu können. Das Gymnasium habe ich mit Erfolg im Juni 2018 abgeschlossen. Dabei war meine Abiturphase „überschattet“ (im positiven Sinne) von den Vorbereitungen auf das kommende große Erlebnis, dem 35. Parlamentarischen Patenschafts-Programm, das aus Anlass des 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung nach Nordamerika vom Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika und vom Deutschen Bundestag beschlossen wurde. Nachdem ich im Januar 2018, also vor einem Jahr, von meiner Teilnahme erfuhr, drehte sich natürlich alles um das PPP; nun ja, fast alles, da war ja noch das Abitur. Eine gute Balance habe ich jedoch finden, und meine Allgemeine Hochschulreife erlangen können, und bin am 07.08.2018 schließlich mit den anderen 75 deutschen TeilnehmerInnen nach New York City gereist, wo wir unser dreitägiges Seminar mit Cultural Vistas hatten.

Nun freue ich mich sehr, im Januar 2019 aus den USA in Portland, Oregon, von meinem bisherigen Aufenthalt berichten zu können. Wir 75 PPPlerInnen sind jetzt bereits seit über 164 Tagen hier in den Staaten; es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich habe bisher sehr viel neues dazugelernt, vieles sehen und erleben können, und nochmals, vieles dazulernen können.
Am Freitag, den 18. Januar 2018, hatte ich meinen letzten Arbeitstag am Bookstore des Portland Community Colleges (PCC).  Am 16.01. hatte ich meinen 23. Geburtstag, den ich im Haus meines Gastvaters mit eingeladenen Freunden vom PCC und der anderen beiden hier in Oregon platzierten PPP-Teilnehmer verbringen durfte. Mir wurde gestern noch einmal klar, was für eine „Community“ ich hier zwischenzeitlich aufbauen konnte – Freunde aus aller Welt, von deren Einsicht, Erfahrungen und Wissen ich profitieren darf.
Das PCC durfte ich vom 24.09. bis zum 14.12. besuchen; hier habe ich unter anderem „Paralegal“-Kurse, also berufsbezogene Kurse (Rechtsanwaltsfachangestellter) besucht. Die Zeit zwischen der Anreise im Platzierungsort und dem – relativ späten – College-Beginn habe ich mit dem Kennenlernen der Hostcommunity, einem kurzen Roadtrip in Oregon zusammen mit den beiden anderen PPPlern sowie mit dazugekommenen Erledigungen (Bankkonto, Social Security, u. V. m.) verbracht. Während der Collegephase habe ich ehrenamtliche Arbeit (Community Service) bei dem Multicultural Center am PCC, beim Portland Chinese Garden, bei zwei diversen Einzelveranstaltungen sowie während der International Orientation Week am PCC leisten können, und konnte 51,5 Stunden an Ehrenamt erreichen.  Auch habe ich während der Collegephase am Bookstore arbeiten können, und zwar bis heute. Damit habe ich mein Ziel für die Collegephase erreicht, nämlich nicht nur das College bzw. die Kurse schlicht zu besuchen, sondern wie man es so schön im Englischen sagt, „to get involved on campus“ (I definitely got!). Ich bin dem am PCC eingeführten Korean-Club beigetreten, dem allerlei StudentInnen (auch AmerikanerInnen) angehören, und konnte auch dort gute Freundschaften schließen.
Vor zwei Monaten habe ich hier auch meinen Oregon Driver License erworben. Ich war erstaunt, wie vergleichsweise einfach es ist, diesen hier erhalten zu können – insbesondere unter Kostengesichtspunkten (für den Führerschein habe ich insgesamt 25 + 5 + 25 + 9 = USD $ 64 gezahlt).
Nun, nach dem Jahresübergang in 2019, hätte ich eigentlich mein Internship bei der Anwaltskanzlei in Portland begonnen. Dessen Beginn verschiebt sich aber auf den 11. März 2019, da ich glücklicherweise im Rahmen des Congressional Internship Program (CIP) sechs Wochen in Washington D. C. verbringen darf, und zwar im Büro von David Trone im Kapitol, der im November 2018 erstmals in das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt wurde, wo er den sechsten Kongresswahlbezirk von Maryland vertritt. Damit habe ich nicht nur das Privileg, in einer sehr einmaligen Zeit im US-Kongress arbeiten zu dürfen (teilweiser Shutdown), sondern werde auch einen wertvollen Einblick darin erhalten, wie es ist, ein neues Kongressmitglied und dessen Büro in Betrieb zu nehmen.  Ich freue mich sehr auf die kommende Erfahrung und umso mehr mit dem dann Dazugewonnenen mein Internship im März beginnen zu können.
Obwohl ich selbstverständlich Deutschland vermisse, tut mir die Zeit hier in vielerlei Hinsicht sehr gut, und ich möchte gar nicht, dass sie schnell vorüber geht. Aber der zweite und letzte Programmteil wird vermutlich noch schneller vorbeigehen und die Rückreise ziemlich schnell vor der Tür stehen. Bis dahin erhoffe ich mir weiterhin viel zu erleben und lernen, und nach Abschluss des Programms mein Studium aufzunehmen. Wo? To be continued….
Abschließend möchte ich meinen sehr großen Dank aussprechen an alle, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet und unterstützt haben; ich hoffe, Ihr fühlt Euch angesprochen!